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17.09.09 11:32 Alter: 356 Tage

ÖSPA feiert 10-jähriges Jubiläum

Kategorie: Verschiedenes

Von: DI Christian Draxl

Am 30. September 2009 feiert die ÖSPA das 10-jährige Jubiläum ihrer österreichweiten Tätigkeit. Am 11.8.1999 - dem Tag der Sonnenfinsternis über Österreich – ging der Stern der ÖSPA auf und es erfolgte die erste Ferkelanlieferung aus allen Bundesländern in den neu errichteten Ferkelaufzuchtstall in Streitdorf. Wie konnte dieser Meilenstein in punkto österreichweiter Zusammenarbeit in der Schweinezucht in einem Land erreicht werden, in dem Föderalismus in der Tierzucht eine so große Rolle spielt?

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Österreich vier Schweineprüfanstalten (Ktn, Nö, Oö und Stmk), die von den jeweiligen Landwirtschaftskammern betrieben wurden. Lange wurde versucht, diese Prüfanstalten soweit zu vereinheitlichen, dass sie untereinander vergleichbare Ergebnisse bringen würden. Dies ist nie so recht gelungen und führte dazu, dass die österreichische Schweinezucht in vier kleine Populationen zersplittert war. Der Grundgedanke für die ÖSPA wurde im August 1997 bei einer VÖS-Exkursion unter dem damaligen Obmann Jost in die Schweiz gelegt. Am Beispiel der Prüfanstalt Sempbach wurde klar, dass eine zentrale Prüfanstalt der einzige Ausweg aus der oben geschilderten Problematik war. Die Landwirtschaftskammern als zuständige Behörden erkannten sehr rasch die Vorteile einer solchen Lösung, die - neben züchterischen Verbesserungen - durch die Bündelung der Kräfte auch Kosteneinsparungen für die einzelnen LWK’s bringen sollte. Überzeugungsarbeit musste bei den Zuchtverbänden geleistet werden, die - je nach Standort der zentralen Prüfanstalt - Benachteiligungen ihrer Züchter befürchteten.

Mit kräftiger Unterstützung und mit sanftem Druck des BMLFUW unter Minister Molterer konnten auch diese Zweifel ausgeräumt werden. Der Weg für eine gemeinsame Schweineprüfanstalt war frei und am 9.2.1998 wurde auf Ebene der Kammerpräsidenten der entsprechende Grundsatzbeschluss gefasst. Dann ging es Schlag auf Schlag. Ein Neubau wurde als wirtschaftlich nicht sinnvoll erachtet, die einzige bestehende Prüfanstalt mit Erweiterungsmöglichkeit war die Niederösterreichische in Streitdorf. Diese wurde als Standort für die Österreichprüfanstalt gewählt. Als Träger entschied man sich für die Rechtsform GmbH, deren Gründung am 3.6.1998 erfolgte. Als Gesellschafter fungierten die LWK’s Nö, Oö und Stmk mit jeweils 32,5 % Geschäftsanteil sowie die LWK Bgld mit 2,5 %. Als Geschäftsführer wurde DI Draxl bestellt, zu seiner Unterstützung und Kontrolle ein Beirat installiert, in dem neben Kammerdelegierten auch der VÖS Sitz und Stimme erhielt.

Die Eintragung ins Firmenbuch erfolgte am 13.8.1998. Die Planungsarbeiten begannen im Mai 1998, es wurde eine Leistungsprüfung nach modernster Konzeption entworfen:

Vorgeschaltete zentrale Ferkelaufzucht, Mastleistungsprüfung in Gruppenhaltung mit Computerfütterungsmaschinen, Schlachtleistungsprüfung im eigenen Schlachthof. Durch ein Abholsystem mit Übernahmestellen in den wichtigen Regionen sollte eine Benachteiligung weiter entfernter Zuchtbetriebe ausgeschlossen werden. Im September 1998 wurde ein Generalplaner bestellt, die Einreichplanungen und Ausschreibungen liefen an. Im Oktober 1998 übernahm die ÖSPA die Schweineprüfanstalt in Streitdorf von der NÖ. LLWK. Ein Trakt der Prüfanstalt wurde leergefahren, im anderen Trakt wurde während der Umbauphase die Leistungsprüfung für NÖ in alter Form, jedoch mit vermindertem Umfang, weitergeführt. Die Umbauarbeiten im Trakt I des Maststalles starteten im Jänner 1999, ab Juni standen acht Abteile mit rd. 1000 Prüfplätzen in Gruppenhaltung zur Verfügung.

 

Neuer Ferkelstall

Die Neubauarbeiten am Ferkelstall starteten im März 1999, im August ging er in Betrieb und die Österreich weite Leistungsprüfung lief an. Der zweite Masttrakt wurde von September bis Dezember 1999 auf Gruppenhaltung umgebaut, damit standen weitere fünf Abteile und 600 Prüfplätze zur Verfügung. Der Neubau der Schlachtstätte wurde von April bis Juli 2000 umgesetzt, die erste Schlachtung in der eigenen Schlachtstätte erfolgte im August 2000. Die ÖSPA hat damit ihre Endausbaustufe erreicht. Im Jahr 2004 wurde ein davor als Lager genutztes Abteil für Fütterungsversuche der Univ. für Bodenkultur eingerichtet, im Juni 2004 startete der erste Fütterungsversuch. Mittlerweile läuft der 12. Versuch der BOKU an der ÖSPA.

 

Leistungsprüfung an der ÖSPA

Seit dem Jahr 1999 führt die ÖSPA die Mast und Schlachtleistungsprüfung beim Schwein für ganz Österreich durch. Bisher wurden etwa 35.000 Tiere geprüft. Der Standard der durchgeführten Leistungsprüfung ist auf höchstem Niveau, besonders hervorzuheben sind dabei:

  • Die Mastleistungsprüfung in praxisnahen Gruppengrößen; mit Computerfütterungsmaschinen wird dabei die Futterverwertung der Einzeltiere exakt ermittelt.
  • Die Schlachtleistungsprüfung in eigener Schlachtstätte; durch eine standardisierte Schlachtkörperzerlegung wird der Magerfleischanteil der Prüftiere mit hoher Genauigkeit festgestellt.
  • Die große Bedeutung der Fleischqualität; neben Schnellmethoden wie pH-Wert- und Leitfähigkeitsmessungen wird bei jedem Prüftier der Tropfsaftverlust sowie der intramuskuläre Fettgehalt bestimmt.

Versuchswesen an der ÖSPA

Neben der Leistungsprüfung für die Zucht führt die ÖSPA auch Versuche zu aktuellen Fragen der Schweineproduktion durch. Geprüft wurden dabei z.B. Duroc-Endstufeneber im Vergleich zu Pietrain, die Mast und Schlachtleistung bei unterschiedlichen Mastendgewichten sowie – gerade in der Endphase – die Mast- und Schlachtleistung von unkastrierten Ebern. Ein weiteres Beispiel für die Kompetenz der ÖSPA ist auch die im Jahr 2005 durchgeführte Feinzerlegung von Mastendprodukten für die Erstellung einer neuen Klassifizierungsformel.

Zuchtwertschätzung an der ÖSPA

Parallel zu den baulichen Maßnahmen wurde von VÖS und ÖSPA eine zentrale Datenbank für die Datenverarbeitung der Zuchtverbände und der Prüfanstalt geschaffen. Dies war eine Grundvoraussetzung für die Einführung einer einheitlichen Zuchtwertschätzung und die Möglichkeit, österreichweit die besten Zuchttiere auszuwählen. Nach einem Jahr Prüftätigkeit war es dann soweit. Im August 2000 wurden die ersten, österreichweit berechneten BLUP-Zuchtwerte für Mast- und Schlachtleistung beim Schwein veröffentlicht. Sie bilden seit damals eine wichtige Grundlage für die Selektion der Zuchttiere. Entsprechend der steigenden Bedeutung des Merkmalbereichs „Fruchtbarkeit“ wurde im August 2002 eine österreichweite BLUP-Zuchtwertschätzung für Fruchtbarkeitsmerkmale eingeführt und kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert. Seit September 2005 werden auch die Kreuzungsleistungen der Mutterrassen berücksichtigt, sowie bei der Rasse Pietrain die Information eines genetischen Markers für den Stressstatus. Seit Juli 2008 werden neben den Leistungsdaten aus der ÖSPA auch die am Zuchtbetrieb erhobenen Lebenstagszunahmen der Jungsauen für die Zuchtwertschätzung verwendet. Damit konnte die Genauigkeit der Zuchtwerte für Mastleistung weiter verbessert werden. Der jüngste Entwicklungsschritt ist besonders hervorzuheben, da er ein wichtiges Ergebnis der engen Zusammenarbeite zwischen Zucht- und Produktionsstufe ist. Seit August 2009 werden auch die Wurfleistungen aus der Produktionsstufe (Sauenplanerdaten) in der Zuchtwertschätzung für Fruchtbarkeit mit berücksichtigt. Derzeit wird gerade an der Entwicklung einer Zuchtwertschätzung für Fitnessmerkmale (Lebensleistung) gearbeitet.

Zusammenarbeit mit Zucht, Produktion und Wissenschaft

Sämtliche Entwicklungsschritte in der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung wurden in enger Zusammenarbeit von ÖSPA, Zuchtverbänden (organisiert im VÖS-Zuchtausschuss) und Wissenschaft gesetzt.

Die Aufgabenverteilung war dabei immer sehr klar:

  • Die ÖSPA führt eine objektive Leistungsprüfung gemäß den gemeinsam erarbeiteten Vorgaben durch und versorgt die Züchter mit bestmöglichen Informationen (Zuchtwerten) für die Selektion ihrer Tiere.
  • Aufgabe der Zucht ist es, die Zuchtziele festzulegen und diese mit Hilfe der Informationen der ÖSPA so gut und so rasch als möglich zu verfolgen.

Wie gut diese Zusammenarbeit funktioniert, lässt sich an Hand der genetischen Verbesserung der österreichischen Schweinezuchtpopulationen sowie den Leistungsentwicklungen in der organisierten Schweineproduktion jederzeit dokumentieren. Da ein Großteil der in Österreich produzierten Schweine von Sauen und Ebern aus heimischen Zuchtverbänden stammt, wirken sich diese Verbesserungen umfassend auf die gesamte österreichische Schweineproduktion aus.

Unterstützung durch die öffentliche Hand

Eine Leistungsprüfung wie sie an der ÖSPA praktiziert wird, kann nicht alleine von den Landwirtschaftskammern als Betreibern bzw. von den Zuchtverbänden als unmittelbare Nutzer getragen werden. Die Leistungen der Prüfanstalt kommen nicht nur den Züchtern, sondern auch der gesamten Schweineproduktion in Österreich zu gute, sowie über die Verbesserung der Schlachtkörper- und Fleischqualität auch den Fleischverarbeitern und schließlich den Konsumenten. Die öffentliche Hand, allen voran das BMLFUW, sowie alle Bundesländer aus denen Tiere geprüft werden, hat die Entstehung und den Betrieb der ÖSPA daher immer mit Fördermitteln unterstützt. Sicherlich ein gutes Beispiel dafür, wie mit gezielt und punktuell eingesetzten Fördergeldern eine breite Flächenwirkung zu erreichen ist. Ohne die Arbeit der ÖSPA und der Schweinezuchtverbände wäre der Erfolg der Österreichischen Schweineproduktion im internationalen Umfeld wohl nicht in dem gegebenen Ausmaß möglich gewesen und wird es auch in Zukunft nicht sein.

Die Vertreter der Landwirtschaftskammern Bgld, Stmk, NÖ und OÖ bei der Unterzeichnung des ÖSPA-Gesellschaftsvertrages am 3.6.1998.