Ferkelmarkt 2009: Gut aber nicht sehr gut!
Über das gesamte Jahr gesehen wird 2009 als ein überdurchschnittlich gutes Ferkeljahr eingestuft werden. Damit werden auch die zu Beginn des Jahres getätigten positiven Prognosen eintreffen. Trotzdem hält der Ferkelmarkt nicht das, was er im 1.Quartal und zu Beginn des 2.Quartales 2009 versprochen hat. Enttäuschend vor allem deshalb, weil die Voraussetzungen für ein wirtschaftlich sehr gutes Ferkeljahr noch selten so gut waren.
Ein etwa um 3% verringerter Produktionsumfang in der europäischen Ferkelerzeugung, volle Futterlager auf den Mastbetrieben und erfreuliche Preisprognosen für den heurigen Schlachtschweinemarkt waren zu Beginn des Jahres eindeutige Indikatoren für eine sehr optimistische Einschätzung der Möglichkeiten am globalen Ferkelmarkt. Im Folgenden möchte ich auf den Verlauf des Ferkelmarktes im 1.Halbjahr eingehen, Ursachen der derzeitigen Marktentwicklungen aufzeigen und eine Einschätzung für den weiteren Verlauf des 2.Halbjahres wagen.
Rückblick auf das 1. Halbjahr
Die nebenstehende Preiskurve bestätigt den sehr guten Ferkelmarktverlauf im 1.Quartal des heurigen Jahres. Mit einem durchschnittlichen Notierungspreis von € 2,52 lag man sehr nahe bei den Spitzenjahren (2002, 2005, 2006). Auch das 2.Quartal lag mit € 2,47 deutlich über dem Durchschnitt von € 2,27. Ende Mai kam es dann zu den um diese Jahreszeit üblichen Preiseinbußen. Sie fielen im Ausmaß dann aber doch überraschend hoch aus. Noch im April sind wir von einem marktverträglichen preislichen Niveauboden von ca. € 2,30 über den Sommer hinaus ausgegangen. Die Ursache für den dann doch deutlicheren Ferkelpreisverlust entwickelte sich bereits im April.
Die üblicherweise um diese Zeit positive und stetige Preisentwicklung bei Schlachtschweinen kam wegen der voranschreitenden Wirtschafts- und Finanzkrise und der kriminellen Wortkreation „Schweinegrippe“ europaweit arg ins Stocken. Das folgende Auf und Ab der Notierungspreise führte dazu, dass das derzeitige Preisniveau bei Schlachtschweinen um ca. 15% niedriger ausfällt als vor einem Jahr und es scheint, dass der Preishöhepunkt für heuer bereits erreicht sein könnte. Diese Marktentwicklung führte europaweit zu einer Stimmungsverschlechterung bei den Mästern und zu einer davon verursachten steigenden Kaufzurückhaltung. Vor allem der deutsche Ferkelmarkt geriet massiv unter Druck. Dies alles in einer Phase, in der der Ferkelmarkt wegen der jahreszeitlich bedingten großen Angebotsmengen eine ungestörte Nachfrage benötigen würde. Die Konsequenz daraus war ein Niveauverlust der Ferkel-Notierungspreise von ca. 25 Cent oder 7 Euro je Ferkel. Das Ergebnis des 3.Quartals 2009 wird damit unter den Werten der Spitzenjahre liegen. Die Auswirkungen der überraschend verhaltenen Schlachtschweinepreisentwicklungen wären für die Ferkelerzeuger noch dramatischer ausgefallen, wenn nicht im vergangenen Herbst so viel Futter auf den Mastbetrieben eingelagert worden wäre.
Wie geht es heuer weiter?
Die Entwicklung in den letzten drei Monaten hat, zumindest am Ferkelmarkt, nichts mit einer bereits wieder beginnenden Krise zu tun. Die Wirtschaftlichkeit der Produktion ist nach den äußerst schwierigen Jahren 2007 und 2008 wieder zufriedenstellend und auch das restliche Jahr 2009 wird positiv verlaufen. Ärgerlich ist nur, dass das anfangs mögliche sehr gute Ferkeljahr nicht mehr realisiert werden kann. In den letzten Wochen hat der Marktdruck in der Ferkelvermarktung bereits abgenommen. Jahreszeitlich bedingt wird das Ferkelangebot in den nächsten Wochen noch zurückgehen. Gleichzeitig wird die Anzahl fertiger Schlachtschweine ansteigen, d.h. freiwerdende Mastplätze nehmen zu und damit auch das Nachfragepotential für Ferkel.
So gut so schön. Entscheidend wird nun aber sein, ob diese Mastplätze auch rasch und ohne Verzögerung wiederbelegt werden. Die Stimmung der Mäster und das Vertrauen dieser in die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast mit der Grundlage heimischer Ferkel wird das Einstallverhalten ganz wesentlich beeinflussen. Das gesamte laufende 3. Quartal des heurigen Jahres wird eine durchwachsene Ferkelperiode ohne einer Möglichkeit von wesentlichen Ferkel-Preisverbesserungen bleiben. Im Laufe des September könnte dann auch noch einmal ein größerer Preisdruck entstehen. Wichtig wird es in diesem Zeitabschnitt sein, nicht leichtfertig und vielleicht sogar unnötigerweise einen zu großen Niveauverlust am europäischen Ferkelmarkt zuzulassen. Von großer Bedeutung für den Ferkelmarkt über 2009 hinaus wird dann im Herbst die Maispreisentwicklung sein, insbesondere zum Zeitpunkt der Ernte. Also zu einem Zeitpunkt wo der Mäster darüber entscheiden kann, ob die Ernte eingelagert oder verkauft wird.
Aus heutiger globaler Sicht wird es heuer weder bei Getreide noch bei Mais zu einer sprunghaften Preisniveauveränderung, wie das im Jahr 2007 geschehen ist, kommen. Im Laufe des 4. Jahresviertels wird es zu einer spürbaren Marktberuhigung kommen und ab November wird ein zunehmend knappes Ferkelangebot europaweit steigende bis deutlich steigende Ferkelpreise bringen. Wenn in den nächsten Monaten nicht unvorhersehbare marktstörende Entwicklungen am gesamten Schweinemarkt eintreten, dann scheint heuer ein durchschnittlicher Ferkel- Notierungspreis von etwa € 2,30 realistisch. Gut, aber nicht sehr gut.
Die Entwicklung der Jahresdurchschnittspreise 2002 bis 2009
Notierungspreisvergleich 2005 bis 2009


