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16.09.09 12:26 Alter: 357 Tage

Die Neue Grippe mutiert zur Mediengrippe

Kategorie: Verschiedenes

Von: Hans-Peter Bäck

Grippe ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit bei Mensch und Tier. Wenn man sich aber seit Ausbruch der Neuen Grippe das Verhalten einzelner Medien ansieht könnte man glauben, dass auch Teile der Presselandschaft gegen Ansteckung nicht resistent sind.

 An einem ruhigen Wochenende Anfang Juni kamen von den Agenturen die Meldungen aus Mexiko und Amerika über eine neue Grippe, die so genannte „Schweinegrippe“. Und da es eigentlich sehr wenig griffige Themen zu dieser Zeit gab, wurden die Redaktionen sofort in einen Zustand fiebriger Erregung versetzt. Für diese – und nur für diese - war es ein Glücksfall, dass hier gerade zwei Themen zusammentrafen, die die Bevölkerung bewegen. Zum einem ist da die latente, aus Zeiten der Vogelgrippe herrührende Angst, dass sich Grippeviren verändern und zu einer Pandemie mit vielen Toten führen können. Auf der anderen Seite bewegt kaum ein Thema so viele wie die Sicherheit der täglichen Ernährung.

Den Teufel an die Wand gemalt

Das war der Mix, aus dem Schlagzeilen gemacht werden, die Zeitungen brauchen. Und damit wurde ein Stakkato an Meldungen losgelassen, das seinesgleichen sucht. So wurde diese Grippe in die Nähe einer finalen Apokalypse mit Millionen von Toten hochstilisiert, zu einer existenziellen Bedrohung der Menschheit. Aber immer schön im Konjunktiv, denn die Möglichkeit verkauft sich besser als Tatsachen. Und es war eine eher dünne Suppe, aus der da geschöpft wurde. Bereits Ende April warnte die Weltgesundheitsorganisation( WHO) von einer weltweiten Ausbreitung (Pandemie) einer neuen Grippe, die nach intensiver Suche ihren Ausgang in Mexiko hatte. Allerdings wurde schon Mitte Mai erklärt, dass diese „Neue Grippe“ auf Grund ihrer geringen Pathogenität nicht unbedingt die Kriterien erfülle. Die Rolle der WHO ist in dieser Angelegenheit allerdings schon etwas kritischer zu hinterfragen. Führende Wissenschafter haben von Anfang an die Rolle dieser Organisation kritisiert, die durch „Gestikulieren“ für eine „Über-Medialisierung“ gesorgt hatte. Bernard Debré, ein Pariser Medizinprofessor, meint dazu sogar, dass die „Neue Grippe“ ein „Grippchen ist und bleibt“ und er es für völlig überflüssig halte, die Bevölkerung verrückt zu machen. In der Medienlandschaft stießen solche Stimmen allerdings auf wenig Gehör und so wird bis zum heutigen Tag fleißig der Schweinegrippe gefrönt. Versuche der Interessensvertretung, wie LKÖ, VÖS oder Styriabrid, die Sache ins rechte Lot zu rücken, hatten einigen Erfolg beim ORF, weniger aber bei diversen Tageszeitungen. Versuche, eine differenziertere Darstellung der Fakten zu erreichen, blieben relativ erfolglos. In Zeiten der Wirtschaftskrise und eines labilen Marktes sind derartige Ereignisse natürlich für uns Schweineproduzenten nicht besonders positiv. Dass Schweinefleisch in die Nähe einer Gesundheitsgefährdung gerückt wurde, dass Konsumenten bei uns anrufen und fragen, ob man Schweinefleisch berühren dürfe ohne davon krank zu werden, ist nicht ohne Folgen für den Markt geblieben.

Die Verantwortung der Medien

So stellt sich die Frage nach der Verantwortung der Medien für eine ausgewogene, auf Fakten basierende Berichterstattung und deren Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Wahrheit. Im Fall der „Neuen Grippe“ sind wir als Schweineproduzenten betroffen, aber es gibt einem schon zu denken, was man alles unter dem Titel „Information“ verkauft bekommt. Bei einem Bericht über medizinische Themen sollte auf unangemesse sensationelle Berichterstattungen, die übertriebene Ängste oder Hoffnungen der Bevölkerung weckt, verzichtet werden. So steht es zumindest im Deutschen Pressekodex. Was im Fall der „Neuen Grippe“ daraus gemacht wurde, kann man täglich in den Zeitungen nachlesen. Nachdem man sich jetzt schon seit Juni mit mäßigem Erfolg darum bemüht, mit der „Neuen Grippe“ ein Killervirus herbei zu schreiben, wird jetzt spekuliert, dass sie mit Schulbeginn aggressiver werden könnte und dass Experten eine Verlegung der Ferien vorschlagen. Man müsste also mehr von einer „neuen Mediengrippe“ sprechen, aber in Zeiten, wo man beim Baden von wild gewordenen Hechten gebissen wird, wundert einen allerdings gar nichts mehr.