Magere Ausbeute für 2009
Viel Hoffnung wurde in das Jahr 2009 gesetzt, bestenfalls Mittelmaß dürfte dabei herauskommen. Finanzkrise, Schweinegrippe und schlechtes Wetter im Frühsommer haben dem Verkauf bzw. Konsum zugesetzt. Andererseits blieb die Produktion auf nicht ganz erwartet hohem Niveau. An sich erfreuliche Leistungssteigerungen bei der Fruchtbarkeit bzw. beim Gesundheitsmanagement stehen vor diesem Hintergrund. Summa summarum lag der durchschnittliche Basispreis bis zur 30. Woche bei 1,25 Euro, was einen um sieben Cent schlechteren Preis im Vergleich zum selben Zeitraum 2008 ergibt.
Es steht fest: 2008 dürfte nicht das Jahr sein, an dem man 2009 messen sollte. 2008 stellt sich auf der Langzeit-Basispreiskurve (siehe Grafik) als eines der besten seit EU-Mitgliedschaft dar, nur 2001 und 1997 waren besser. Kein Trost - aber Realität. Auch fürs letzte Quartal 2009 sind aus aktueller Sicht die Anzeichen nicht berauschend. Wir werden wohl ein übliches Herbst-Winter- Szenario akzeptieren müssen, d.h. bei steigenden Schlachtzahlen im September werden die Fleischmärkte europaweit reichlichst versorgt sein. Es ist nicht zu erwarten, dass im 4. Quartal das Jahr noch eine positive Überraschung erfahren wird. Demnach wird 2009 wahrscheinlich als mittelmäßiges Schweinejahr abschließen.
Lebendexporte nach Osteuropa stützen Schweinepreis
Über starken Bestandsabbau in den neuen EU-Mitgliedsstaaten haben wir mehrfach berichtet. Mehrfach wurde auch die Hoffnung auf dadurch entstehende Absatzmärkte formuliert. Nachdem im Schnitt zwischen Polen und Slowakei jede fünfte Muttersau eliminiert und nicht nachbesetzt wurde, waren die Fleischwirtschaft und der Export davon ausgegangen, daraus Geschäft machen zu können. Die Wirtschaftskrise mit Währungsturbulenzen, erhöhtem Finanzrisiko und fehlender Kaufkraft hat diese Erwartung vorerst zunichte gemacht. Wie dieses Vakuum aber ausgeglichen wird, zeigen die stark gestiegenen Lebendexporte von Schlachtschweinen nach Polen, insbesondere aus Deutschland und Holland.
100.000 Stück/Woche
Dieser neu entstandene Warenstrom, der zum Teil auch bis Russland weitergeführt wird, wird zurzeit von mehreren Faktoren begünstigt.
1. Wechselkurs: Der Polnische Zloty wurde im Verhältnis zum Euro inzwischen wieder aufgewertet, das macht den Export für deutsche Schweinehändler wieder attraktiver.
2. Schlachtkapazitäten in Polen: Auch in Polen wurde die EU-Investitionsförderung zum Ausbau der Schlachtkapazität genutzt. Da gleichzeitig die Produktion zurückgegangen ist, sucht man nun Schlachttiere.
3. Personalkosten und Verarbeitung: Die Be- und Verarbeitung von Tieren und Schlachtkörpern ist aufgrund billiger Arbeitskräfte in Polen sehr günstig. Zudem zeichnet sich Polen durch eine effiziente Verwertung von Schlachtnebenprodukten aus.
Aus Sicht der Landwirtschaft kann diese Entwicklung jedenfalls positiv beurteilt werden. Seit vielen Wochen berichtet der deutsche Vieh- und Fleischhandel, dass das Preisniveau für Schlachtschweine - insbesondere durch diese Lebendexporte - hoch gehalten werden konnte. Dass dies der Fleischwirtschaft und dem Lebensmittelhandel wenig gefällt, versteht sich von selbst. Deutsche Schlacht- und Zerlegebetriebe, aber auch österreichische, beklagen seit Monaten ein nicht kostendeckendes Geschäft. Es wird immer auch darauf verwiesen, dass diese schwierige Phase wohl nicht alle Fleischunternehmen überleben werden können.
Grafik: Basispreisentwicklung von 2002 bis 2009. Daten: VLV-Schweinebörse


